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SEO Day 2016 – von SEO-Klassikern bis Googles K.I.

Eigentlich sprach nach dem morgendlichen Blick aus dem Fenster eine Menge dafür, sich noch einmal hinzulegen: Es ist leicht neblig, das Thermometer einstellig und die Straßen sind nass - ganz so, wie es sich eben für einen richtigen Herbstmorgen um kurz nach Vier gehört. Doch so sehr das warme Bett auch locken mag, die Vorfreude auf den heutigen SEO Day in Köln ist größer. Das frühe Aufstehen hat außerdem einen Vorteil: Der Zug in die Domstadt ist nicht allzu voll.

Viel wertvoller Input von Top-Speakern aus der SEO-Szene

Der SEO Day Cologne findet jedes Jahr statt und wie bei kaum einem anderen Event der Szene sind die Themen der einzelnen Vorträge so bunt gemischt: SEO für Online-Shops, Content Marketing, Conversion-Optimierung, On- und Offpage-Optimierung, Online-Recht und, und und. Es wartet also wieder jede Menge Input und Inspiration auf mich. Der Tag dämmert bereits, als ich in Köln ankomme und das Wetter ist schon deutlich besser als noch vor ein paar Stunden. Die Vorträge auf dem SEO Day Cologne starten um 9:00 Uhr und sind in die Kategorien „ShopSEO“, „SEO-Klassiker“ und „SEOCode-Day“ eingeteilt.

Nach einem kurzen Blick auf die SEO Day Timetable entscheide ich mich für für die klassische Variante und für ganz und gar nicht klassische „13 konkret umsetzbare SEO-Tipps“, die Speaker Tobias Fox zum Besten gab. Elf weitere legte Felix Beilharz in seinem direkt darauffolgenden Vortrag noch oben drauf – darunter nicht nur smarte Strategien sondern ebenso viele neue, interessante Ideen aus seinem Spezialgebiet: Social Media. Es ist wohl auch nicht nötig zu erwähnen, dass Content Marketing in zahlreichen Vorträgen die Hauptrolle spielte. Und letztendlich auch die gebotene Qualität in diesem Zusammenhang. Diese wurde textlich in SEO-Kreisen nämlich lange vernachlässigt, in Zeiten, als die „Keyword Density“ noch kriegsentscheidend war und nicht der eigentliche Textinhalt, von welchem der Leser etwas haben sollte. Hierzu hielt Prof. Dr. Hektor Haarkötter einen wirklich sehr inspirierenden (für mich einer der besten) Beitrag zur Frage, was SEOs hierbei von Journalisten lernen können – und warum letztere den gemeinen Suchmaschinenoptimierer „hassen“.

Im Thema SEO dreht sich jedoch nicht alles allein um den idealerweise fesselnden Inhalt einer Website, sondern auch um Linkbuilding, Usability und vor allem um das technische Drumherum. Gerade jetzt in „Mobile First“-Zeiten können Websites nicht besser an die Anforderungen von Google angepasst sein, um von der Suchmaschine möglichst effizient verstanden zu werden. Das war die Erkenntnis aus dem Vortrag „Technical SEO 2016 – hreflang, Rich Cards, Site Speed, AMPs, Crawl Budget- & Gap Analyse, uvm.“ von Speaker Bastian Grimm. Die weltgrößte Suchmaschine muss nämlich auf Ihre Rechenressourcen achten, die bei jedem Crawling einer Website aufgewandt werden. Sinnvoll technisch verschlankte Websites verschlingen schließlich weniger Computing Time und Crawling-Budget. Selbstredend, dass diese von Google bevorzugt werden, denn die Rechenpower wird nämlich für gänzlich andere Dinge benötigt.

The (next) big thing: RankBrain

RankBrain ist nach Links und Content inzwischen der drittwichtigste Rankingfaktor im Suchalgorithmus, den Google selbst nicht mehr so ganz zu verstehen scheint, doch dazu gleich mehr. Googles Algorithmus lernt dank künstlicher Intelligenz nämlich tagtäglich dazu und ist somit auch in der Lage, jenen stets beschworenen guten Content auch zu identifizieren. Manche mögen sich noch daran erinnern, als Google im Jahre 2010 das längst erreichte Ziel „Mobile First“ benannte. Seinerzeit hatten Mobilgeräte noch nicht den alltäglichen Stellenwert, wie es heute der Fall ist. Jetzt, sechs Jahre später, könnte man von „Mobile Only“ sprechen. Google CEO Sundar Pichai spricht derweil hingegen von „Mobile First to AI First“ und es wird sich zeigen, ob erneut sechs Jahre ins Land ziehen werden, bis AI, also „Artificial Intelligence“ die Hauptrolle einnimmt.

Zwei sehr beeindruckende Vorträge am Nachmittag des SEO Day machten die künstliche Intelligenz Googles zum Thema. Im ersten davon (und für mich ebenfalls einer der besten des Events) ging Experte Gero Wenderholm auf einige Aspekte ein, die manch einen durchaus ins Grübeln bringen könnten: Der sich permanent aus Daten speisende RankBrain-Algorithmus ist dazu in der Lage, Inhalte genau zu fokussieren, sie semantisch und thematisch zu verorten sowie Muster und Zusammenhänge darin zu erkennen. Google weiß also bald deutlich genauer, worum es geht und was wir eigentlich sagen möchten, sodass die berüchtigte Keyworddichte in Texten wohl gänzlich an Bedeutung verlieren dürfte. Warum wohl haben Ratgeber, FAQs & Co gute Aussichten auf ein hervorragendes Ranking? Weil die Suchmaschine das Thema und dessen Kern dahinter (noch besser) versteht und dank Machine Learning und neuronaler Netze zudem noch immer schlauer wird und eigene Wege findet.

Wie die Zeit berichtet, entwickeln sie selbstständig Verschlüsselungsalgorithmen, finden die Antwort auf eine Frage innerhalb von Satzfragmenten in Internet-Textdokumenten oder treffen mitunter auch fragwürdige Entscheidungen. Ein zum Nachdenken anregendes Beispiel dafür liefert eine KI-Entwicklung aus dem Jahre 2013, welches schließlich versuchte zu lernen, das bekannte Spiel Tetris zu spielen. Gut, heutzutage keine große Sache. Als das Programm allerdings merkte, dass es das Spiel nicht gewinnen kann, fand es einen Weg, dieses auch nicht zu verlieren: Die KI setzte das Spiel unwiderruflich auf Pause und entging auf diese Weise einer Niederlage.

So smart dieser Zug auch sein mag, so beunruhigend ist dieser auch. Simple Beispiele wie diese könnten auch der Grund dafür sein, weshalb Googles hauseigene KI-Abteilung DeepMind in Zusammenarbeit mit der Oxford University an einer Art „Not-Aus-Schalter“ für künstliche Intelligenz forscht. An einem Weg, künftige intelligente Maschinen so zu programmieren, dass sie nicht über menschlichen Input hinwegsetzen und unvorhersehbare Entscheidungen treffen. Anscheinend aus gutem Grund, wie Fionn Kientzle, Speaker im zweiten Vortrag über Googles künstliche Intelligenz das Zitat des Google Ranking Engineers, Paul Haahr, treffend zusammenfasste: „Google versteht, wie RankBrain funktioniert, allerdings nicht wirklich, was es macht.“ Lassen wir uns also überraschen.

Fazit: Ein super organisiertes, grandioses Event für jeden SEO-Begeisterten und eine klare Empfehlung meinerseits. Wichtig ist natürlich auch, was man aus all dem Input auch mitnimmt. So wurde mir auf dem SEO Day 2016 klar, dass Qualität heute mehr zählt, denn je. Denn nie war Google besser in der Lage als heute, qualitativ hochwertige Inhalte auf Websites eigenständig zu bewerten, Zusammenhänge zu verstehen und Nutzersignale zu interpretieren. Der Satz "Inhalte nicht für Suchmaschinen, sondern für den Leser schaffen" hat endlich an Gewicht gewonnen. Die Suchmaschine begreift zu einem großen Teil die Intention eines Surfers im Netz bei seiner Suche zu einem bestimmten Thema. Für die Suchmaschinenoptimierung bieten sich also nicht mehr nur technische und keywordlastige Möglichkeiten, das Ranking einer Website nach vorn zu bringen – die gebotene Qualität für den Leser wird letztendlich nun auch von Google immer besser „verstanden“ und honoriert.

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